Kommentar: Politisch (in-)korrekt

Donnerstag, 9. März 2017 | 0 Kommentare
 

Was ist schlechter als (vermeintlich) negative PR? Wenn gar keiner über einen spricht. Solcherlei Grunderkenntnisse der Öffentlichkeitsarbeit besitzen selbst C-Prominente oder zumindest deren Berater. Ansonsten würden sich wohl kaum immer wieder einige Exemplare von ihnen dazu bereitfinden, einmal jährlich vom Fernsehsender RTL im sogenannten „Dschungelcamp“ eingepfercht zu werden, nur um dort dann auch noch die eine oder andere hochnotpeinliche Begebenheit aus ihrem Leben zum Besten zu geben. Fremdschämen at its best, möchte man da eigentlich nur ausrufen.

Was das Eigenmarketing des Reifenfachhandels betrifft, so hat der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) im Gegensatz dazu zuletzt immer wieder eine gewisse vornehme Zurückhaltung diesbezüglich konstatieren müssen. Das heißt: Es wird nicht genug geklappert für das Handwerk bzw. nicht ausreichend die Werbetrommel gerührt für den eigenen Betrieb sowie das jeweilige Produkt- und Dienstleistungsangebot. Ausnahmen bestätigen dabei natürlich wie immer die Regel, und doch haben andere – wenn auch teils nicht aus der Branche selbst stammend – daran dann dennoch gleich wieder etwas zu meckern.

Gemeint damit ist in diesem konkreten Fall die Sexismusrüge des Deutschen Werberates an die Adresse des First-Stop-Betriebes in Schwerin. Der hatte auf einem Plakat mit einem wenig bekleideten Model für sich geworben, was aufseiten der örtlichen Bevölkerung zu Protesten wegen einer vermeintlich „frauenherabwürdigenden“ Darstellung besagter junger Dame geführt haben soll. Derart politisch (über-)korrekt wie wir hierzulande in Deutschland mittlerweile sind, geht so etwas natürlich gar nicht, sodass sich der Deutsche Werberat ebenso berufen fühlte einzuschreiten wie im Nachgang dann ebenso noch die Zentrale des zu Bridgestone gehörenden Handelskonzeptes.

Und das, wo tagtäglich selbst im normalen Fernsehprogramm vergleichbar viel nackte Haut zu sehen ist oder bei TV-Formaten wie Germany’s Next Top Model bewusst zur Schau getragen wird – von den diversen in der Branche bekannten Kalendern mal ganz abgesehen. Selbst das Model des First-Stop-Shootings bezeichnet den Sexismusvorwurf als „lächerlich“, schließlich habe sie diese Art von Bildern vorgeschlagen, auf denen sie ohnehin nicht in wirklich anstößigen Posen zu sehen ist. Über das Alter von Damen spricht man zwar nicht, aber älter als 18 Jahre wirkt sie in jedem Fall, sodass aus alldem zu folgern ist, dass sie sich für die Aufnahmen freiwillig hat ablichten lassen und nicht etwa dazu gezwungen wurde. Letzteres wäre zumindest meiner Meinung nach der einzige Grund, besagte Plakatwerbung verwerflich zu finden.

Gefallen müssen die Motive freilich trotzdem niemandem, und den so beworbenen Betrieb deswegen ansteuern muss ebenfalls keiner. Das sollte jeder so halten, wie er oder sie es für richtig hält. Doch nur weil der eine oder andere möglicherweise ein Problem mit der Darstellung einer eher weniger bekleideten Frau in der Öffentlichkeit hat gleich die „Sexismuskeule“ auszupacken und mit deren Hilfe anderen seine Meinung aufpfropfen zu wollen, geht dann vielleicht doch ein bisschen zu weit. Und führt – wie eingangs erwähnt – aller Wahrscheinlichkeit nach sogar eher noch am Ziel vorbei, so wie es ein Leser der NEUE REIFENZEITUNG auf den Facebook-Seiten dieser Fachzeitschrift formulierte: Bessere PR als diese gebe es fast gar nicht, meint er.

Wer schreit im Übrigen eigentlich laut Sexismus, wenn mal ein Mann für die (Reifen-)Werbung – so wie beispielsweise im Fall der Quick-Kfz-Meisterwerkstatt aus der Lutherstadt Eisleben im vergangenen Herbst – blank zieht? Oder müssten sich die Herren der Schöpfung jetzt nicht folgerichtig diskriminiert fühlen, weil ihre Nacktheit ja scheinbar nicht sexistisch ist? Wohl eher nicht. Vielleicht aber sollten wir Deutschen so manches dieser Themen einfach mal ein wenig entspannter angehen und uns stattdessen auf die Lösung weit wichtigerer Probleme konzentrieren, von denen es nicht nur innerhalb der Reifenbranche genügend gibt. christian.marx@reifenpresse.de

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Kategorie: Markt

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