Ist Essener PS-Spektakel ein Pflichttermin für Räder und Reifen? Einige sagen: Nein

Donnerstag, 5. November 2015 | 1 Kommentar
 
Vonseiten der Reifenindustrie hält Hankook auf der Essen Motor Show die Fahnen seit Jahren hoch, man möchte fast sagen: am Höchsten; trotz Präsenzen von Continental, Toyo und Syron (Keskin-Tuning) in diesem Jahr konnte die Messe in der Reifenbranche allerdings nie wirklich Fuß fassen, nun folgen weitere Absagen namhafter Räderhersteller
Vonseiten der Reifenindustrie hält Hankook auf der Essen Motor Show die Fahnen seit Jahren hoch, man möchte fast sagen: am Höchsten; trotz Präsenzen von Continental, Toyo und Syron (Keskin-Tuning) in diesem Jahr konnte die Messe in der Reifenbranche allerdings nie wirklich Fuß fassen, nun folgen weitere Absagen namhafter Räderhersteller

Die Veranstalter und Aussteller der Essen Motor Show rühren dieser Tage wieder allesamt ihre Werbetrommeln für größtmögliche Aufmerksamkeit: „Der Countdown läuft“, „It’s Showtime“, „Tradition verpflichtet“ sind dabei nur einige der laut vorgetragenen Slogans aus dem tuningaffinen Umfeld. Die Messe erwartet auch dieses Jahr wieder über 500 Aussteller, und auch die Anzahl der Besucher wird dieses Jahr den Schätzungen zufolge wohl wieder deutlich über 300.000 liegen; 2014 strömten den Zählungen der Messe Essen zufolge immerhin 352.000 Besucher zur Motor Show. Trotz aller Euphorie und der durchaus guten Zahlen bleibt die Frage: Ist ein Auftritt auf der Motor Show Pflicht für die Unternehmen der Branche? Während die Messe bei den Reifenherstellern nie wirklich Fuß fassen konnte, trotz Relaunch und allem, kommt ihr nach 2014 mit Alcar und Brabus in diesem Jahr auch noch die Uniwheels-Gruppe als Aussteller abhanden.

Einem Vorbericht der Messe Essen zufolge dürfen Besucher der Motor Show offenbar das Who is who der Reifenbranche in den Messehallen erwarten, so jedenfalls der Eindruck. Man denkt unweigerlich an die Reifen-Messe, wenn man liest: „Die Reifenbranche gibt mit Continental, Hankook und Toyo Vollgas“, heißt es dort; auch Keskin-Tuning ist mit seiner Reifenmarke Syron in Essen vertreten, muss hier ergänzt werden. Immerhin, aber das war’s dann auch schon.

Lange ist es her, dass man Yokohama oder Kumho oder Michelin mit BF Goodrich in Essen auf der Motor Show als Aussteller besuchen konnte. Auch der Bridgestone-Auftritt 2013 blieb einmalig. Und ebenfalls das Fehlen des Großhändlers Interpneu mit seiner Räder- und Reifenmarke Platin (das Karlsruher Unternehmen hatte 2013 und 2014 die Motor Show noch als Aussteller bereichert) dürfte Reifeninteressierte aufhorchen lassen.

Auch wenn jedes dieser Unternehmen für sich genommen eigene Gründe für seine Entscheidung für oder gegen die Essen Motor Show hat – festzuhalten ist trotzdem: Die Messe ist und bleibt eben keine Reifenmesse; soviel einige Unternehmen auch das schwarze Rund als Ausdrucksmittel von Tuningbegeisterten (zum Thema Sicherheit und Umwelt ist in Essen selten etwas zu hören) beschwören, sowenig scheint sich dies für die Messegesellschaft in Messepräsenzen aus der Reifenindustrie ummünzen zu lassen. Aber im Laufe der Jahre hatte man sich daran gewöhnt, dass Reifen auf der Motor Show gefühlt weniger Standfläche einnehmen als Modellautos.

Auch wenn neuerliche Absagen nicht unbedingt und unmittelbar ein Problem für die Messe Essen und ihr Messeflaggschiff bedeuten, so fragt sich der geneigte Beobachter schon, wohin die Motor Show sich entwickelt. Nachdem im vergangenen Jahr erstmals der renommierte Tuner Brabus – dem eigenen Vernehmen nach der größte unabhängige Tuner der Welt – wie auch die Alcar-Gruppe mit all ihren Rädermarken deutlich wahrzunehmende Löcher in den Essener Messehallen hinterließen, so wird man auch in diesem Jahr den Auftritt der Uniwheels-Gruppe wohl vermissen.

Trotz einer starken Präsenz auf dem Ersatzmarkt vermarktet die Uniwheels-Gruppe immerhin rund 80 Prozent ihrer Räder über die Erstausrüstung; im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen 7,2 Millionen Räder produziert. Wenn das Erstausrüstungsgeschäft gut läuft, nimmt die Bedeutung von Endverbrauchermessen wie der Essen Motor Show linear ab (ob derselbe Effekt in auch die andere Richtung wirkt, ist fraglich) und man kann sich darauf beschränken, entsprechende Marketingschwerpunkte in den virtuellen Raum zu verlegen, also ins Internet und die sozialen Plattformen. Dies ist nicht nur deutlich günstiger, sondern bindet auch weniger Personal und scheint näher am Endverbraucher mit seinen Interessen nach mobilem Austausch zu liegen. Ob die Uniwheels-Gruppe auch im kommenden Jahr ihren Schwerpunkt auf Onlinemarketing legen wird, mochte gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG noch niemand beantworten.

Überhaupt die Kosten. Bei Alcar ist man der Ansicht, „die Kosten der Messepräsenz sind von Jahr zu Jahr enorm gestiegen, so dass wir es wirtschaftlich nicht mehr vertreten können, unser Marketingbudget mit einer Messepräsenz in diesem Ausmaß zu belasten“.

Aber auch dort sieht man eine Verlagerung von Marketingmaßnamen in den virtuellen Raum als durchaus probates Mittel, um maximal mögliche Reichweite – bei vergleichsweise geringen Kosten – für die eigenen Neuheiten zu erlangen. Es geht also nicht nur um die Kosten, sondern eben auch um die Wahl der richtigen Kommunikationsmittel. „Unserer Wahrnehmung nach hat sich das Informationsverhalten der Interessenten, sowohl von Geschäftskunden als auch Endverbrauchern, in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert“, kommentiert Alcar eine Anfrage der NEUE REIFENZEITUNG. Ganz allgemein gesagt, nutzt heute nahezu jeder Räderhersteller die Essen Motor Show dazu, ob er nun Aussteller ist oder nicht, um online auf seine aktuellen Produkthighlights aufmerksam zu machen und die Informationsbedürfnisse seiner Kunden und Handelspartner zu stillen. Aber er nutzt dazu immer seltener die Essen Motor Show selbst, was sich für alle Beteiligten zu einem Problem auswachsen könnte.

Interessierte Fachbesucher und Endverbraucher finden wirkliche Neuheiten kaum noch in Essen. Von einem Pflichttermin kann demnach nicht mehr die Rede sein. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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Kategorie: Markt, Tuning

Kommentare (1)

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  1. Die großen Marken setzen sich durch das enorme Marketingbudget durch. Vielleicht würde eine Unterteilung nach bestimmten Kriterien Sinn machen?
    Wir würden uns freuen auch “kleinere” namhafte Marken zu sehen.

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