Mangelnde Akzeptanz – EU ergreift beim Reifenlabel die Initiative

Dienstag, 1. April 2014 | 0 Kommentare
 
Mit „Schockbildern“ von Unfällen und Umweltschäden will die EU Reifenkäufer für (möglichst gute) Labelwerte sensibilisieren – das Ganze basiert auf einer von Bridgestone entwickelte Technologie zum farbigen Bedrucken der Reifenseitenwand
Mit „Schockbildern“ von Unfällen und Umweltschäden will die EU Reifenkäufer für (möglichst gute) Labelwerte sensibilisieren – das Ganze basiert auf einer von Bridgestone entwickelte Technologie zum farbigen Bedrucken der Reifenseitenwand

Seit nunmehr rund anderthalb Jahren ist das sogenannte Reifenlabeling für die meisten Produktlinien Pflicht – Ausnahmen bilden lediglich etwa Oldtimer- und Motorradreifen-, aber auch Runderneuerte. Doch rund um den Reifenkauf hat sich die Kennzeichnung der schwarzen runden Gummis hinsichtlich Rollwiderstand, Nassbremseigenschaften und Abrollgeräusch aufseiten der Verbraucher noch nicht in dem Maße als so entscheidungsrelevant erwiesen, wie es sich die Politik vor allem im Hinblick auf die Reduzierung der verkehrsbedingten Kohlendioxidemissionen, aber auch im Sinne einer höheren Verkehrssicherheit wünschen würde. Deswegen will die EU jetzt die Initiative ergreifen, um das Label bei den Verbrauchern bekannter zu machen bzw. sie für Dinge wie den Zusammenhang zwischen Reifenwahl und Kraftstoffverbrauch oder die Länge des Bremsweges auf nasser Fahrbahn zu sensibilisieren. Dabei streben die Volksvertreter offenbar ein Konzept an, das an das der jüngst beschlossenen „Schockbilder“ verfaulter Füße oder schwarzer Raucherlungen auf Tabakwarenverpackungen ab 2016 angelehnt ist. Die Idee basiert auf einer von Bridgestone entwickelten Technologie, die ein Bedrucken der Reifenseitenwand in Farbe ermöglicht: Eben dort sollen nach den Vorstellungen der Politiker zukünftig Bilder von Verkehrsunfällen und Umweltschäden „schockieren“ bzw. zusammen mit einem Hinweistext Aufmerksamkeit für (möglichst gute) Labelwerte erzeugen.

„Reifen mit schlechten Labelwerten können Ihnen, den Menschen in Ihrer Umgebung und der Umwelt erheblichen Schaden zufügen“, lautet die aktuell vorgeschlagene Formulierung, die nicht zufällig den Warntexten ähnelt, die schon heute beispielsweise auf Zigarettenschachteln zu finden sind. In trockenen Tüchern ist das Ganze freilich noch nicht. Zumal die Reifen- genauso wie die Tabakindustrie natürlich dagegen ist, dass die EU so massiv in die äußere Gestaltung ihrer Produkte eingreifen will. Die Tabakindustrie hat bereits eine Klage gegen die „Schockbilder“ auf ihren Verpackungen auf den Weg gebracht und die Reifenindustrie – davon ist auszugehen – dürfte mit Blick auf die Seitenwände der von ihnen produzierten Reifen sicherlich denselben Weg beschreiten. Sofern entsprechende „Schockbilder“ dort denn tatsächlich kämen. Unklar ist momentan nämlich auch noch, ab welchen Labelklassifizierungen ein solcher Aufdruck denn anzubringen wäre: So ist es zum Beispiel kaum vorstellbar, dass „AA“-gelabelte Reifen mit einem solchen Aufdruck versehen in den Markt kommen, denn bessere Werte sind ja schließlich gar nicht zu erreichen. Nach derzeitigem Stand der Diskussionen ist dies daher nur für solche Reifen vorgesehen, wenn entweder deren Rollwiderstands- oder eben deren Nassbremslabelwert „C“ oder schlechter ist. Bei weiteren Entwicklungsfortschritten der Industrie könnte diese Untergrenze später dann entsprechend angepasst werden. christian.marx@reifenpresse.de

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kategorie: Markt, Produkte, Runderneuerung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *