Reifenindustrie betreibt intensives Marketing bei der Gewinnung von gutem Nachwuchs  – noch mit Erfolg

Freitag, 3. März 2017 | 0 Kommentare
 
654 junge Menschen bekannen in 2016 bei Continental eine Ausbildung
654 junge Menschen bekannen in 2016 bei Continental eine Ausbildung

654 junge Menschen begannen in 2016 bei Continental eine Ausbildung oder ein duales Studium. Damit waren Ende des Jahres deutschlandweit über 2.000 Auszubildende und dual Studierende beim Automobilzulieferer beschäftigt. Insgesamt bietet Conti 39 verschiedene Ausbildungswege. Es gibt aktuell 239 kaufmännische und 1.312 technische Auszubildende, 348 technische und 157 kaufmännische Studenten. Das Unternehmen habe weiterhin „recht gute Bewerberquoten“. „Hier hilft uns sicher auch unser recht hoher Bekanntheitsgrad als international tätiger Technologiekonzern“, so Steffen Brinkmann, Head of HR in Germany. Aber auf seinem Bekanntheitsgrad kann sich Continental nicht ausruhen, „wir kombinieren gezielt zentrale und lokale Marketingmaßnahmen, um auf unser Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen“. Dazu gehörten etwa Online-Kampagnen, Schulmessen, Schülerpraktika, Schulpatenschaften oder etwa die IdeenExpo in Hannover.  Generell gelte auch bei Continental: „Die Herausforderungen für junge Menschen werden gerade durch das Thema Digitalisierung immer größer. Daher müssen wir als Unternehmen mehr investieren, um sie besser vorzubereiten.“

Das Thema Ausbildung habe gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine „sehr wichtige strategische Bedeutung“. Steffen Brinkmann: „Wir müssen unsere derzeitigen Mitarbeiter für die Zukunft weiterentwickeln und neue Mitarbeiter in möglichst jungem Alter gewinnen. Denn je früher der Unternehmenseintritt erfolgt, desto größer ist die Chance auf eine intensivere Bindung zu uns als Unternehmen.“ Zwischen 85 und 90 Prozent der Auszubildenden würden nach der Ausbildung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen oder qualifizierten sich weiter (etwa Master nach dem Bachelor oder Bachelor nach der Ausbildung).

Goodyear erhöht die Anzahl der Ausbildungsplätze um Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Goodyear bildet deutschlandweit in 15 unterschiedlichen Ausbildungsberufen aus. Derzeit sind es 255 Azubis und dual Studierende. Fachkräftemangel und demografischer Wandel seien auch beim französischen Reifenhersteller ein Thema. „Daher steigern wir die Zahl unserer Ausbildungsplätze weiter. Für September 2017 haben wir 95 Neueinstellungen geplant“, so

Susanne Seither, Arbeitsdirektorin Goodyear

Susanne Seither, Arbeitsdirektorin Goodyear

Arbeitsdirektorin Susanne Seither. Goodyear würde als attraktiver Ausbildungsbetrieb gesehen, „dass zeigt sich nicht zuletzt an der ausreichenden Menge an guten Bewerbungen, die wir für alle Berufe bekommen und daher keine Probleme haben, unsere freien Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Bei Goodyear habe man festgestellt, dass die Noten der Bewerber auf dem gleichen Niveau wie schon vor Jahren seien, „wir sehen aber an der ein oder anderen Stelle weniger ausgeprägte Kenntnisse in den schulischen Hauptfächern – die Interessen der jungen Leute sind einfach breiter geworden. Außerdem stellen wir fest, dass den Bewerbern neben der inhaltlichen Attraktivität der Ausbildung auch sogenannte weiche Faktoren wie Weiterbildungsmöglichkeiten, Work-Life-Balance oder interne Entwicklungsperspektiven bei der Entscheidung für einen Ausbildungsplatz wichtig sind.“

Bei der Gewinnung von Auszubildenden sei die Vielfalt groß. „Zum einen präsentieren wir uns bei Ausbildungsmessen in der Region oder bieten Einblicke ins Unternehmen bei Aktionen wie dem Girls Day oder der,Hanauer Nacht der Ausbildung’. Ein besonderes Highlight ist auch die Ideenexpo in Hannover, bei der unsere Azubis sich aktiv beteiligen und so die Möglichkeit haben, andere für ihre Ausbildung zu begeistern“, so Susanne Seither. Interessant für die Auszubildenden wäre sicher auch, dass sie Stationen im Ausland einlegen könnten. So dürften zum Beispiel die dualen Studierenden einen Abstecher nach Italien, Großbritannien, Brüssel, Luxemburg oder Spanien machen und die kaufmännischen Azubis nach Polen oder Slowenien.

Ganz nach der Prämisse „Wir entwickeln Persönlichkeit“ profitiere der Nachwuchs des amerikanischen Reifenherstellers im Rahmen der Ausbildung von einer Vielzahl an Schulungsangeboten rund um Themen, die dazu beitragen in der heutigen Arbeitswelt erfolgreich zu sein. Das Angebot reiche von Konfliktmanagement bis zu Präsentationstechniken. „Darüber hinaus können sich unsere Azubis in diversen Projekten engagieren. Mit dabei sind auch soziale Initiativen, die wir gemeinsam mit lokalen Partnern umsetzen – wie etwa mit der Lebenshilfe Hanau“, so Susanne Seither.

Michelin setzt auch auf grenzüberschreitende Ausbildung

Mike Ellrich, Verantwortlicher für Bildung und Entwicklung bei Michelin

Mike Ellrich, Verantwortlicher für Bildung und Entwicklung bei Michelin

Auch bei Michelin beginnen jährlich etwa 50 junge Menschen ihre Ausbildung oder ihr duales Studium in Deutschland. Grundsätzlich würde beim französischen Reifenhersteller ein Rückgang an Bewerbern verzeichnet, die Rekrutierung werde schwieriger. Je nach Standort seien die Betriebe unterschiedlich aufgestellt. In der Region Karlsruhe würde es mit einer Arbeitslosenquote von rund drei Prozent natürlich schwieriger sein, als an anderen Standorten. Hinzu käme in Karlsruhe auch der Wettbewerb mit denen in der Region ansässigen Großfirmen etwa wie Daimler, Siemens und Bosch. Die Bewerber würden älter werden, die Noten schlechter. „Tendenziell bewerben sich weniger Hauptschüler, ein Trend zur höheren Schulbildung zeichnet sich ab“, so Mike Ellrich, Verantwortlicher für Bildung und Entwicklung bei Michelin D-A-CH. Er ergänzt: „Grundsätzlich sehen wir, dass ein Studium immer mehr an Wertigkeit zunimmt, was natürlich mit der Geringschätzung der Ausbildung allgemein einhergeht.“

Michelin gehe daher seit einigen Jahren einen „ganz eigenen Weg“. „Im benachbarten Elsass herrscht große Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Menschen“, so Mike Ellrich. Deshalb sei bereits in 2013 eine grenzüberschreitende berufliche Ausbildung geschaffen worden. Neun Franzosen hätten seitdem ihre Ausbildung in Karlsruhe absolviert. Seit 2015 sei die deutsch-französische Ausbildung auch im saarländischen Michelin-Werk in Homburg möglich. Ein Elektriker und zwei Mechaniker hätten diese Ausbildung schon durchlaufen.

Grundsätzlich habe sich das Lernen und das Lernverhalten geändert. „Digitales Lernen und soziale Netzwerke gewinnen zunehmend an Bedeutung“, so Ellrich. Das Unternehmen müsse fördern, „da die Schulnoten schlechter und einige Kompetenzen nicht mehr durch die Schule vermittelt werden“.  Daher existiere im Unternehmen ein sehr umfangreiches Aus- und Weiterbildungsangebot, welches allen Auszubildenden offenstehe. Es reiche vom Sprachunterricht über Präsentationsmodule bis hin zu technischen Seminaren.  Ellrich: „Die Auszubildenden bekommen ein Feedbackgespräch mit dem Vorgesetzten. Hierdurch sollen sie zeitnah erkennen, wo sie stehen und ob noch nachgearbeitet oder zusätzlich ausgebildet werden muss.“

Einstiegsqualifizierung soll Flüchtlinge auf Ausbildung vorbereiten  

Mit Flüchtlingen habe Michelin positive Erfahrungen gemacht: In Bad Kreuznach würde gerade ein Afghane das zweite Lehrjahr durchlaufen und ein syrischer Mitarbeiter ein Orientierungspraktikum absolvieren, am Standort in Bamberg bekomme ein Flüchtling nach einem erfolgreichen Praktikum einen Ausbildungsvertrag als Industriemechaniker. Auch Continental wolle einen nachhaltigen Beitrag zur Integration junger Flüchtlinge liefern.  Mit der Initiative „Continental als Wegbereiter – Initiative für geflüchtete Menschen“ biete das Unternehmen bundesweit 50 Stellen, die auf eine Ausbildung bei Continental vorbereiten sollen. Erfolge seien sichtbar. „Wir haben bereits über 40 junge Menschen aus zehn Ländern in dieser Einstiegsqualifizierung. Davon haben bereits zehn eine Ausbildung bei uns begonnen“, so Steffen Brinkmann.

christine.schoenfeld@reifenpresse.de

 

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Kategorie: Markt

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