Unklare Regeln zum Reifenluftdruck sind F1-Lachnummer

Dienstag, 8. September 2015 | 0 Kommentare
 

Jeder der sich mit Reifen auch nur rudimentär beschäftigt weiß: Kühlt ein aufgewärmter Reifen ab, so sinkt der Luftdruck. Scheinbar ist diese Erkenntnis noch nicht bis in den Hochtechnologiezirkus Formel 1 durchgedrungen, wie ein erneuter „Reifenaufreger“ anlässlich des Formel-1-Rennens am Sonntag in Monza belegt. Was war passiert? Im Vorfeld des Rennens hatte Pirelli als Reaktion auf den Reifenplatzer von Sebastian Vettel in Spa-Francorchamps auf eine deutliche Erhöhung der Reifenluftdrücke für Monza gedrungen, konnte sich damit aber nur zum Teil durchsetzen: Die Reifendrücke fürs Rennen in Monza sollten moderat auf 21 psi (1,44 bar) hinten und 19,5 psi (1,31 bar) vorne angehoben werden.

Fünf Minuten vor dem Start hatten die Verantwortlichen des Weltautomobilverbandes FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) festgestellt, dass beim späteren Sieger Lewis Hamilton 0,3 psi (0,025 bar) am hinteren linken Reifen zum geforderten Luftdruck fehlten. Sieben Runden vor dem Zieleinlauf hatte man die Mercedes-Box per E-Mail über diesen Sachverhalt informiert. Den Rennfavoriten kurz vor dem Start oder kurz vor dem Ziel disqualifizieren, ihm eine andere Strafe aufbrummen? Das traute man sich wohl nicht. Es wäre auch nach dem Rennen mit Recht zu heftigen Diskussionen gekommen, ob solch eine Strafe angemessen gewesen wäre. Solch ein Schuss wäre nach hinten losgegangen. Statt dessen mussten Hamilton und sein Mercedes-Team zweieinhalb Stunden bangen, ob das Rennergebnis Bestand haben würde. Es hatte.

Die Heizdecken hatten vor dem Start für den korrekten Luftdruck gesorgt, wie Mercedes und der allen Teams beiseite stehende Ingenieur des Ausrüsters Pirelli belegen konnten. Selbst wenn die Heizdecken bis kurz vor dem Start drauf bleiben, sinkt natürlich die Temperatur, wenn die Stromzufuhr unterbrochen ist, so auch bei Hamiltons linkem Hinterreifen. Und mit der sinkenden Temperatur sinkt auch der Luftdruck, das ist klar. Also verlangt jetzt der Mercedes-Motorsport-Teamchef  Toto Wolff, es müsste eine klare Regel oder Richtlinie her. Noch eine für die an Regularien ja nicht arme Formel 1. detlef.vogt@reifenpresse.de

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Kategorie: Motorsport

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