Deutsche Industrie tritt bei Zulieferern in China auf die Kostenbremse

Freitag, 27. Februar 2015 | 0 Kommentare
 
In China sehen sich die Automobilhersteller auch oft mit kulturellen Eigenheiten konfrontiert
In China sehen sich die Automobilhersteller auch oft mit kulturellen Eigenheiten konfrontiert

Die deutsche Industrie nimmt jetzt in China ihre Lieferketten in den Fokus. Die in der Bundesrepublik üblichen Lieferantenentwicklungsprogramme setzen sich auch im Reich der Mitte immer mehr durch. Vorreiter beim Thema Supplier Development sind wieder einmal die Automobilhersteller, schreibt die Unternehmensberatung Staufen.

Die Unternehmen reagieren damit auf steigende Produktionskosten, größeren Wettbewerbsdruck und Zwangspreissenkungen der chinesischen Regierung. Bei ihren Lieferanten sieht die deutsche Industrie ein enormes Verbesserungspotenzial: So kann die Produktivität in den Fabriken der chinesischen Partner um mehr als ein Drittel gesteigert werden, Ausschuss und Durchlaufzeit lassen sich halbieren. Das ermöglicht hohe Kosteneinsparungen, hätten Marktanalysen ergeben.

„Wir finden in den Fabriken chinesischer Zulieferer teilweise noch Strukturen vor, die mich an die Zeiten meines Industriepraktikums in Deutschland vor 25 Jahren erinnern“, sagt David Müller, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Staufen in China. „Hier schlummern enorme Potenziale, die im Reich der Mitte tätige Unternehmen heben müssen, um zukünftig konkurrenzfähig sowohl für den weltweiten als auch für den lokalen Absatzmarkt zu produzieren.“ Es gehe längst nicht mehr um die klassischen Programme zur Verbesserung der Liefertreue oder Teilequalität, sondern um das Heben von Kostensenkungspotenzialen in den Werken der Lieferanten, so Müller, selbst ehemaliger Einkaufsleiter in China für einen großen Automobilhersteller.

Wie in Deutschland üblich vergeben die Autoproduzenten und große Industrieunternehmen anderer Branchen auch im Reich der Mitte inzwischen ganze Baugruppen an ihre lokalen Partner. Hinzu kommt: Der Trend zur Anlieferung Just in Time (JiT) und Just in Sequence (JiS) lässt keine Zeit mehr zum kurzfristigen Beheben von Qualitätsmängeln beim Lieferanten.

Die Hersteller kämpfen dabei vor Ort nicht nur mit veralteten Prozessen, sondern vor allem auch mit kulturellen Eigenheiten. „Bei den chinesischen Lieferanten ist eine Bewusstseinsänderung erforderlich. Wie man Qualität von Beginn an produziert und warum dies wichtig ist, gilt es didaktisch und methodisch zu vermitteln sowie in der Produktion zu installieren. Das ist vor allem ein Führungsthema“, sagt China-Experte Müller. Deutsche Hersteller bieten ihren lokalen Lieferanten daher gezielte Weiterbildungsangebote an – bei Anbietern wie der Staufen Akademie hat sich die Nachfrage nach solchen Kursen im vergangenen Jahr verdoppelt. dv

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Kategorie: Markt

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