Rollwiderstand auch bei Industriereifen ein Thema

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Wenn im Zuge der momentanen Diskussion um den allseits befürchteten weltweiten Klimawandel die Rede auf den Beitrag kommt, den Reifen über einen geringeren Rollwiderstand zur Senkung der Kohlendioxidemissionen beitragen können, dann denken die Meisten wohl hauptsächlich an Pkw- oder Lkw-Reifen. Dass das Thema Rollwiderstand aber nicht nur bei diesen Produktgattungen, sondern auch bei anderen und bei Industriereifen im Besonderen einmal beleuchtet werden sollte, hat man sich bei Continental gedacht. Und deshalb hat der Reifenhersteller einen Vergleichstest initiiert, mit dem man einerseits den Beweis antreten wollte, dass der „CSEasy SC20“ aus eigener Herstellung in der Disziplin Rollwiderstand besser dasteht als ausgewählte Konkurrenzprodukte. Andererseits sollte gleichzeitig damit aufgezeigt werden, wie sich – abgesehen von einer Reduzierung der Kohlendioxidemissionen – über diesen Parameter die Betriebskosten beim Staplereinsatz senken lassen.

Bezüglich des Ortes des Geschehens ist bei dem Vergleichstest die Wahl auf ein Prüfgelände gefallen, das die DEKRA in Klettwitz am Rande des Eurospeedway Lausitz betreibt. Aus diesem Grund hat das Prüf- und Überwachungsunternehmen zugleich den Versuchsaufbau bzw. den Ablauf der Tests der Geschäftseinheit Industrial Tires der Continental AG zertifiziert, bei denen sich die sechs Reifenmodelle Bergougnan „Elite XP“, Gumasol „Softy NP 80“, Marangoni „Eltor 5“, Solideal „Magnum“, Trelleborg „Rota VP 15“ sowie Watts „Premia“ unter Aufsicht der DEKRA und Vertretern der Fachpresse gegen den Conti-Reifen zu beweisen hatten. „Das ist das erste Mal, dass ein Test dieser Art gemacht wird“, so Dirk Limprecht, Leiter Marketing und Verkauf OE der Conti-Sparte Industriereifen. Man sei –sagt er – im Vorfeld der Tests zwar relativ sicher gewesen, dass der „CS Easy SC20“ bei dem Vergleich tatsächlich ganz vorne liegen würde, doch nichtsdestotrotz war die Freude groß, als die Messungen die Erwartungen dann letztlich zur Gewissheit werden ließen.

Für die Versuche wurden die Reifen, die Conti von DEKRA alle hatte kaufen bzw. direkt zum DEKRA-Testgelände anliefern lassen, in der Größe 225/75-10 (23×9-10) auf der Lastachse und der Dimension 180/70-8 (18×7-8) auf der Lenkachse eines Still-Elektrostaplers des Typs „RX60-25“ montiert, dessen Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf maximal acht Kilometer pro Stunde begrenzt wurde. Die Messestrecke, die gleichermaßen alle Aspiranten nach zwei „Aufwärmrunden“ mit einer Gesamtlänge von laut Prüfprotokoll 850 Metern mit der jeweils identischen Prüflast von zweieinhalb Tonnen (Nenntragfähigkeit des verwendeten Staplers) zu absolvieren hatten, wurde dabei in Anlehnung an die VDI-Richtlinie 2198 (Typenblätter für Flurförderfahrzeuge) gewählt. Dabei hat man die Gesamtfahrstrecke in mehrere Abschnitte unterteilt, um später die verschiedenen Fahrzustände besser darstellen zu können. Die einzelnen Abschnitte waren durch Reflexionsfolie markiert, die ein am Stapler montierter optischer Sensor identifizieren konnte.

Bei der Bewältigung der alles in allem 30 Meter langen Messstrecke waren entsprechend den verschiedenen Abschnitten zugleich verschiedene Aufgaben für den Testfahrer zu absolvieren: Heben und Senken der Last, Rangieren vorwärts und rückwärts sowie Fahren mit maximaler – siehe oben: auf acht Kilometer pro Stunde begrenzter – Geschwindigkeit. Gemessen wurde bei all dem der jeweilige Energieaufwand auf den mit Lichtschranken markierten Teilabschnitten der Strecke. Als messtechnische Größen wurde dabei über einen Spannungsteiler die Spannung und über einen Shunt-Widerstand der Strom ermittelt, welche die Batterie während der Fahrmanöver zu liefern hatte. Daraus lässt sich die jeweils benötigte Leistung bzw. der Energieverbrauch ermitteln, was wiederum Rückschlüsse auf den Rollwiderstand der Reifen zulässt, denn dies war der einzige Parameter, der bei dem Vergleich variiert wurde.

Je nach Betrachtungsweise erwies sich der „CSEasy SC20“ dabei als 3,7 bzw. 12,8 Prozent sparsamer als der jeweils beste Wettbewerber. Der kleinere Wert ergibt sich dabei aus der Auswertung der Energieverbräuche über die gesamte Messstrecke, also inklusive Heben/Senken der Last und Rangieren, während sich der größere Vorsprung für den Conti-Reifen mit Blick allein auf den einzelnen Fahrabschnitt ergibt, wo der Stapler mit konstanter Geschwindigkeit unterwegs war. Die Abweichung der beiden Werte wird im DEKRA-Prüfbericht mit dem ungleich größeren Fahrereinfluss bei den Hubbewegungen und dem Rangieren begründet. Denn bei der Geradeausfahrt mit voll durchgetretenem Gaspedal und aufgrund der Begrenzung konstanter Geschwindigkeit „hat der Fahrer dagegen nur einen unwesentlichen Anteil“, steht in dem offiziellen DEKRA-Prüfprotokoll.

Aus den Messwerten leitet Conti schlussendlich ab, dass der „CS Easy CS20“ den niedrigsten Rollwiderstand des Wettbewerbsfeldes aufweist. Außerdem rechnet der Reifenhersteller vor, dass sich daraus bei angenommenen 6.000 Betriebsstunden pro Jahr und in Abhängigkeit davon, mit welchen Konkurrenten man das Produkt des hannoverschen Konzerns konkret vergleicht, ein Kostenvorteil zwischen knapp 260 und 900 Euro pro Jahr und Stapler ergibt. Bei jährlich 4.000 Betriebsstunden soll die Ersparnis zwischen 170 und 600 Euro pro Stapler und Jahr liegen und bei jährlich 2.000 Betriebsstunden immerhin noch zwischen etwa 85 und 300 Euro pro Jahr und Stapler. In Zeiten allerorten steigender Kosten sicherlich ein – abgesehen von dem durch die eingesparte Energie positiven Aspekt in Sachen Umweltschutz – nicht ganz unwichtiger „Nebeneffekt“.

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