Edouard Michelin: “Wir waren ungeschickt”

Montag, 28. Mai 2001 | 0 Kommentare
 
Edouard Michelin: “Wir waren ungeschickt”
Edouard Michelin: “Wir waren ungeschickt”

Im Interview mit der eher links gerichteten Tageszeitung "Liberation" äußerte sich Edouard Michelin zur so bezeichneten "Michelin-Affäre". Der Konzern hatte am 8. September eine Steigerung seines Halbjahresgewinns um 20 Prozent gemeldet und zugleich die Absicht verkündet, sich binnen drei Jahren von 7.

500 Menschen in europäischen Werken trennen zu wollen. Die ungewöhnlich harte öffentliche Reaktion, insbesondere von französischen Politikern, führt E. Michelin auf nicht ausreichend geführte öffentliche Auseinandersetzung zurück.

Jedenfalls müsse es möglich sein, rechtzeitig die richtigen unternehmerischen Maßnahmen zu treffen, um die um 15 bis 20 Prozent schlechtere Produktivität, verglichen mit den Hauptkonkurrenten Bridgestone und Goodyear, schnellstens zu verbessern. Dies könne nur mit Beschleunigung des Wachstums dank einer neuen Vertriebspolitik und durch Personalabbau geschehen. Edouard Michelin erinnerte daran, der Konzern habe in den letzten zwanzig Jahren zweimal vor dem Aus gestanden, sei gezwungen gewesen, sich in Frankreich von 25.

000 Menschen trennen zu müssen und habe angesichts dieser Zahl dennoch lediglich 186 Kündigungen ausgesprochen. Angesprochen auf die "Lex Michelin" (hierbei handelt es sich um eine auf den "Fall Michelin" abzielende Gesetzesänderung, welche die Beantragung staatlicher Hilfen im Rahmen von Sozialplänen regeln soll) wies Edouard Michelin darauf hin, der Konzern habe zwar einen Zuschuss zu Sozialplänen vom französischen Staat in der Größenordnung von vier bis fünf Milliarden Francs erhalten in der Vergangenheit, gleichzeitig seien aber auch 45 Milliarden Francs an Sozialbeiträgen, Steuern und Abgaben an den französischen Staat gezahlt worden. Auch heute noch investiere der Konzern 30 Prozent seiner Gesamtinvestitionen im Heimatland, halte 30 Prozent der Produktionskapazitäten in Frankreich, obwohl aus dem Heimatmarkt nur 15 Prozent des Gesamtabsatzes erwirtschaftet würden.

Er wolle das Unternehmen zwar hier und dort entstauben, aber die Kultur, Persönlichkeit und Gewohnheiten bewahren. Als Chef eines "Familienunternehmens" (Kommanditgesellschaft auf Aktien) sehe er sich in einer "dauernden Aufgabe" und als solcher könne er es sich nicht leisten, nicht auf lange Sicht zu planen, weil er eben genau wisse, auch nach fünf oder zehn Jahren dafür gerade stehen zu müssen. Angesprochen auf weltweite Fusionsbewegungen, meinte Edouard Michelin, sein Unternehmen sei in der Lage "aktiv mitzuwirken.

Unser Blick geht in Richtung Asien. Michelin hat ein Talent für Wachstum." .

Kategorie: Allgemein

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